Dann konnte ich mich mit meinem Koffermonstrum auf den Weg zum Bahnhof machen, wobei ich allerdings gleich schon mal in Konflikt mit dem ungarischen Gesetz kam - ich musste schwarz fahren, weil der Ticketautomat (natürlich) kaputt war und ich ja meinen Zug erwischen wollte.
Manchmal muss man eben Opfer bringen... :)
Am Bahnhof angekommen, habe ich dann meinen Betrug gleich wieder ausgeglichen, indem ich einfach eine teurere Fahrkarte als nötig gewesen wäre gekauft habe. (Natürlich vollkommen absichtlich...)
Wer schon mal mit dem Zug in Budapest an einem Bahnhof angekommen ist, weiß, dass man beim Aussteigen von mindestens 5-10 Leuten gefragt wird: "Taxi?" - neu war jetzt, dass diese Taximafia auch beim Einsteigen in den Zug aktiv geworden ist - ein interessantes Konzept: ich stelle mich an ein Gleis, auf dem ein Zug innerhalb der nächsten 15min abfahren wird und frage die einsteigenden Leute, ob sie nicht doch lieber mit dem (wahrscheinlich viel bequemeren) Taxi fahren wollen. ^^ - Ok, zur Verteidigung des Taxi-Mannes muss ich sagen, dass ich ihn wahrscheinlich schon etwas verwirrt habe, da ich erst in den Zug eingestiegen bin, dann wieder ausgestiegen und dann wieder eingestiegen. Das lag allerdings einfach nur daran, dass es absolut unmöglich war, mein ganzes Gepäck mit nur einem Anlauf in den Zug zu bekommen. :)
Dann habe ich dank dem netten Putzmann im Zug auch endlich das System der ungarischen Wagenklassen verstanden. Es ist nämlich nicht so einfach wie in Deutschland: eine 1. und eine 2. Klasse - fertig. In Ungarn gibt es einfach mal zwei 1. und 2. Klassen, nämlich jeweils im "Normalzug" und im "Intercity" - der Unterschied liegt (neben dem Preis) vor allem in der Klimaanlage, die man im Sommer dann schon seeeeehr zu schätzen lernt. Außerdem kostet eine Fahrt in den klimatisierten Intercityzügen immer noch mal 540Ft extra, da man zusätzlich zur Fahrkarte eine Platzkarte (helyjegy) kaufen muss.
So, jetzt genug der Aufklärungsarbeit und weiter mit meinen Erlebnissen:
Ein richtig klischeehaftes Sozialismusbild bot sich mir gleich kurz nach der Abfahrt in Budapest: dort standen vier Männer auf einem Waggon, auf dem Stahlträger gestapelt waren. Jeder dieser Männer hatte eine Kurbel in der Hand und alle kurbelten im Gleichtakt (überwacht von einem Fünften, der unten stand) einen weiteren Stahlträger auf den Waggon. Richtige Manpower eben.
In Kecskemét machte ich mich dann nach einer Menge Telefonate (für die ich dank verpasstem Bus und 55min Wartezeit eigentlich sehr dankbar war :)) auf den Weg zu Vikis Eltern. Ich bin heute noch dankbar, dass ich dabei mit einem ziemlich modernen Niederflurbus fahren durfte :)
| Das Haus der Ferenczis (A Ferencziék háza) |
Am wunderschönen Haus der Ferenczis angekommen, wurde ich gleich mal von Bolyti (boly heißt Knäuel...), dem Haushund, empfangen - ihr werdet unten sehen, woher er den Namen hat. Allgemein kann man sagen, dass in Katonatelep auf jedem Grundstück mindestens zwei (Wach-)Hunde leben. Wobei zumindest im Fall von Bolyti die Bewachungsfunktion ausschließlich aus bellen besteht - Bolyti weicht einem aus, wenn man auf ihn zugeht oder wird ruhig, sobald man ihn streichelt :)
| Bolyti |
Als nächstes empfing mit Joskabácsi, mit dem ich aber während meiner ganzen Zeit eigentlich nicht so viel gesprochen habe - er ist ein sehr fleißiger älterer Herr und macht bei Ferenczis immer den Abwasch (was jetzt nicht so viel klingt aber momentan bedeutet das, dass er das Abspülwasser immer von Hand zum nächsten Klo tragen muss, da der Abfluss an der Spüle gerade defekt ist - Respekt!). Dann kam auch schon Magdinéni und zeigte mir gleich mein schönes Zimmer und mein Bett und stellte die obligatorische Frage: "Éhes vagy?" (Hast du Hunger?) - natürlich war meine Antwort ja, weshalb ich gleich mit folgendem Menü verwöhnt wurde:
1. Gang: Suppe mit "Knusperkugeln" (ich werde noch rausfinden, was das war :D)
2. Gang: Nudeln mit hausgemachtem(!) Quark, etwas griebenähnlichem und saurer Sahne (tejföl)
- unglaublich lecker!
Danach befahl mir Magdinéni mich auszuruhen aber ich musste das erstmal ausschlagen, da ja unter den heutigen Anrufen an der Bushaltestelle auch der von Christian (einem Praktikantenkollegen bei Mercedes) war, der mir eine Wohnungsbesichtigung für heute Nachmittag vermittelt hatte. Also wieder auf zur Bushaltestelle (zu der man laut Néni-Rechnung 15min braucht - was dazu führte, dass ich ca. 12min auf den Bus warten musste *ggg*) und wieder rein in die Stadt, um anschließend mit dem nächsten Bus wieder (in die andere Richtung) aus der Stadt rauszufahren.
Da zeigt sich schon, dass meine Unterkunft etwas außerhalb der Stadt liegt aber dafür jeden Komfort bietet, den man sich vorstellen kann - dazu in einem späteren Post mehr. :)
Während meiner Zeit bei den Ferenczis kamen dann auch Viki und Attila noch zu Besuch, was die Kommunikation dann aufgrund von Attilas hervorragenden Deutschkenntnissen dann schon sehr vereinfachte. Außerdem konnte ich mit den beiden meine ersten zwei Ausflüge unternehmen, nämlich einerseits zu einem Schrottautorennen (roncs derby) und andererseits in den "Dschungel" (dzsungel). Aber seht selbst:
| zuerst das Qualifying... |
| ...und dann die Rennen (es gab mehrere Durchgänge) |
| Dazwischen immer wieder mal die Streckenaufbereitung (mit dem Fahrzeug wäre ich persönlich am liebsten gefahren... :)) |
| Dieser professionell gepimpte Lada war zu verkaufen - ich konnte mich gerade noch zurückhalten... |
laut wars... :)
Und noch der schöne "Dschungel":
| Viki und ich |
Jetzt aber gute Nacht, morgen klingelt der Wecker schließlich um 4:00.
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